Gründung vor den Toren Berlins
Die St.-Matthäus-Gemeinde kaufte das Gelände am 9. Juni 1854 für mehr als 6.000 Taler. Am 25. März 1856 wurde der Kirchhof eingeweiht; am selben Tag fand mit Frau Krottnauer-Petersen die erste Beisetzung statt. Das früheste Bestattungsregister ist später verloren gegangen.
Die Anlage wurde 1863, 1866 und 1884 erweitert. Nach der Gründung der Lukasgemeinde 1865 nutzten beide Gemeinden den Kirchhof. Das nach Süden abfallende Gelände erhielt eine klare, rechtwinklige Wegestruktur. Historische Bäume und repräsentative Grabarchitektur prägen den Charakter bis heute.
Kapelle und Bauten
Die Kapelle bildet den architektonischen Mittelpunkt. Zur historischen Ausstattung und den Nebengebäuden gehören Trauer-, Verwaltungs- und Eingangsbereiche; das Tor- und Verwaltungsensemble an der Großgörschenstraße stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Mausoleen wie die Grabanlage der Familie von Hansemann zeigen den bürgerlichen Repräsentationsanspruch des 19. Jahrhunderts.
Zerstörung und Verlagerung
Für die nationalsozialistischen Planungen zur Umgestaltung Berlins wurden 1938 und 1939 zahlreiche Gräber auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf verlegt. Die ursprünglichen Grabstellen entlang der Großgörschenstraße gingen dabei verloren. 1945 kam ein Feld für Kriegstote hinzu. Eine umfassendere Wiederherstellung begann um 1975.
Erinnerungsarbeit heute
Der Kirchhof ist zugleich Begräbnisplatz, Denkmal und sozialer Erinnerungsraum. Die Gedenkstätte zum 20. Juli 1944 erinnert an Widerstandskämpfer, deren Gräber nicht als Einzelstellen erhalten sind. Projekte wie Denk MAL positHIV, die Lesben-Grab-WG und der Garten der Sternenkinder erweitern den Blick auf lange wenig sichtbare Lebensgeschichten.
Seit 2006 befindet sich mit dem Café Finovo ein Friedhofscafé am nördlichen Eingang. Patenschaften unterstützen den Erhalt historischer Grabstätten. Seit 2014 ergänzt eine App die Vermittlung ausgewählter Biografien. Der Friedhof bleibt aktiv, während seine Gesamtanlage unter der Berliner Denkmalnummer 09045874 geschützt ist.
Der Rundgang verbindet sechs Orte dieser Geschichte; die Bedeutenden Grabstätten stellen fünf Biografien genauer vor.